Gemeinsam mit unserer Geschäftsführerin Ines Kohl war ich gerade in Kenia unterwegs. Mit unseren Partnerorganisationen Zinduka, Centre for Indigenous Child Rights (CICR) und Enkakenya Sidai Initiative setzen wir in den Regionen Kuria, Kajiado und West-Pokot das Projekt #TogetherWeEndFGM um.
Der Austausch zwischen den Partnerorganisationen ist dabei besonders wichtig: Wir lernen voneinander, reflektieren unsere bisherige Arbeit und entwickeln gemeinsam die nächsten Schritte. Um gut ins nächste Projektjahr zu starten, haben wir deshalb in einem gemeinsamen Retreat die bisherige Arbeit reflektiert und die kommenden Aktivitäten geplant.
Die Zusammenarbeit ist höchst professionell – und dabei auch freudvoll! Ich mag, wie es uns auch im interkulturellen Team immer wieder gelingt, ernsthaft zu diskutieren und gleichzeitig gemeinsam zu lachen.
TREETINGS in Kajiado und Kuria
Im Anschluss an die Planungsphase im Rahmen des Retreats haben wir unsere Projektpartner in ihren Heimatregionen besucht, um ihre Aktivitäten vor Ort kennenzulernen.
Bei einem der TREETINGS, einem „meeting under a tree“, sprach meine Kollegin Eve Merin von unserer Partnerorganisation Enkakenya Sidai Initiative in Kajiado mit rund 60 Maasai-Frauen über Familienplanung und weibliche Genitalverstümmelung (FGM/C).
Es war beeindruckend, wie interessiert und offen die Frauen waren – und wie mutig sie den Raum genutzt haben, um Fragen zu stellen.
Ähnliche Erfahrungen machten wir bei den Interventionen in der Region Kuria. Auch hier hörten Jugendliche bei einem TREETING mit großem Interesse zu und stellten viele Fragen.
Besonders lebhaft war eine Gruppe von Frauen und Männern, die sich im Schatten eines Baumes traf, um über geschlechtsspezifische Gewalt (GBV) und FGM/C zu sprechen. Auf die Frage, wie viele von ihnen die Ausübung von FGM/C befürworten, hoben rund 90 Prozent der Teilnehmenden die Hand. Entsprechend intensiv war der anschließende Austausch. Die RAIN WORKER+ waren gefordert, auf die vielen Kommentare und Fragen einzugehen und einen ersten Impuls für eine mögliche Verhaltensänderung zu geben. Es war das erste von mehreren Treffen und Aktivitäten, die in diesem Dorf durchgeführt werden sollen.
Veränderung braucht Zeit
Veränderung entsteht durch langfristige Bewusstseinsarbeit. Unsere RAIN WORKER+ müssen neben fundiertem Wissen auch entsprechende Resilienz und Durchhaltevermögen mitbringen. Immer wieder stellen sie sich den Herausforderungen und führen – teils auch herausfordernde – Gespräche und Diskussionen. Die von uns angestrebte Veränderung gelingt nur dann, wenn auch jene einbezogen werden, die in vielen Diskussionen zu FGM/C oft ausgeblendet werden: Männer.
Väter, Großväter oder lokale Autoritäten prägen gesellschaftliche Normen und können wichtige Impulsgeber für Veränderung sein. Darauf legen wir in unserer Arbeit daher besonderen Wert.
Unsere RAIN WORKER+ arbeiten meist als Frau-Mann-Teams. Die Gruppen, vor denen sie ihr Wissen regnen lassen, sind entweder Frauen- oder Männerrunden, oft auch gemischt. Je nachdem, wie sensibel oder tabuisiert ein Thema ist, kann es zielführend sein, es zunächst in nach Geschlechtern getrennten Kreisen anzusprechen.
Gemeinsam gegen FGM/C
#TogetherWeEndFGM verbindet Schutz, Aufklärung und Empowerment. Wir betrachten FGM/C nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit geschlechtsspezifischer Gewalt sowie sexueller und reproduktiver Gesundheit und Rechten (SRGR).
Von uns ausgebildete RAIN WORKER+ geben ihr Wissen in den Communities weiter. Durch Schulprogramme, Community-Sensibilisierungen, Radio Talks und lokale Awareness-Kampagnen stärken sie Mädchen, Familien und ganze Communities darin, schädliche soziale Normen langfristig zu verändern.
Gemeinsam arbeiten wir daran, Mädchen und Frauen ein selbstbestimmtes Leben frei von Gewalt zu ermöglichen.
Unser Ziel ist die Beendigung von FGM/C. Und wir sind überzeugt, dass Veränderung möglich ist – auch wenn sie Zeit braucht.
Liebe Grüße, Patrica von THE RAIN WORKERS